halloschön dass du hier bist.

nachdem wir in meinem „digitalen Zuhause“ unterwegs sind und ein Portfolio für mich eine persönliche Sache ist, schüttle ich dir per du die digitale Hand.

Das hier ist kein Ort für ein geschliffenes Portfolio, sondern mein Weg zu zeigen, wie ich Arbeite und welche Themen mich interessieren. Am liebsten wäre mir sogar, du würdest mir ein Feedback schicken. Sollte das Portfolio als eindimensionaler „best-of“ Kommunikationskanal nicht ausgedient haben? Ich finde: ja.  
 

Nun aber weiter mit meinen Gedanken, Projekten und Ideen, die mich antreiben. Danke, dass du dir Zeit nimmst mein Portfolio durchzusehen.

Architektur vom Algorithmus. 
Was bedeutet Innovation für die Architektur?

In·no·va·ti·on  [/ɪnovaˈt͜si̯oːn, Innovatión]

Wortbedeutungen

1          (a) Soziologie: geplante und kontrollierte Veränderung, Neuerung in einem sozialen System durch Anwendung neuer Ideen und Techniken
            (b) Bildungssprachlich: Einführung von etwas Neuem; Neuerung; Reform

2          Wirtschaft: Realisierung einer neuartigen, fortschrittlichen Lösung für ein bestimmtes Problem, besonders die Einführung eines neuen Produkts oder die Anwendung eines neuen Verfahrens

3          Botanik: (bei ausdauernden Pflanzen) jährliche Erneuerung eines Teiles des Sprosssystems

Was ist Innovation?

Nähern wir uns dem Thema der Innovation über die Wortbedeutung, prägen sich mir folgende Begriffe ein: Veränderung, Erneuerung, Fortschritt. Das 21. Jahrhundert zeichnet sich eben durch jene Begriffe aus. Technologische Disruptionen, die uns als Gesellschaft in zunehmend schnellerem Tempo vor neue Herausforderungen stellen, die soziale Strukturen verändert haben und vermutlich in noch ausgeprägterer Form verändern werden, sind eine der Keimzellen von gesellschaftlichem Wandel unserer Zeit.

Wie Yoval Harari in seinem Buch 21 Lessons for the 21st Century argumentiert, bewegt sich unsere Generation „zwischen technologischer Disruption und Ökologischer Kernschmelze“ – nicht nur, aber auch wegen innovativer Entwicklungen. Wir stehen nicht nur vor der Frage wie wir mit neuen Technologien, einhergehenden ethischen Dilemmata und der Verteilung von Macht, Kapital, Ressourcen und bewohnbare Grund und Boden umgehen sollen. Während sich ein politischer Wandel in Richtung nationalistisch untermaltem Populismus oder populistisch untermaltem Nationalismus, ganz wie man es betrachten will, abzeichnet, sind staatliche Strukturen längst global agierenden Plattformunternehmen in ihrer Handlungsfähigkeit unterlegen. 

„zwischen technologischer Disruption und Ökologischer Kernschmelze“
vs. 
„Innovation umfasst die Einführung, Aneignung und erfolgreiche Verwendung einer Neuerung in Wirtschaft und Gesellschaft.“

Die Europäische Kommission betrachtet Innovation hingegen folgendermaßen: „Innovation umfasst die Einführung, Aneignung und erfolgreiche Verwendung einer Neuerung in Wirtschaft und Gesellschaft.“ Ich sehe nicht nur die Herausforderungen, die auf uns zukommen, sondern ich will vielmehr das Potential der Entwicklung sehen, die „Innovation“ als oft verwendetes Buzzword verspricht. Wie kann man erfolgreich Neuerung, deren Aneignung und Verwendung so anstoßen, dass sie nicht nur einigen wenigen nützt, sondern darüber hinaus Gemeinwohl schafft? Wie kann Gesellschaft nachhaltig, positiv verändert werden?

Innovation in der Architektur

Dass ein Denkprozess, wie der oben angestoßene, der gesamtgesellschaftliche Verhältnisse und größere Systeme mit einbezieht, ein sehr architektonischer ist, wurde mir erst vor Kurzem auf Hinweis eines Freundes bewusst. Architekten lernen in ihrer Ausbildung Strategien zu entwickeln, um soziale Beziehungen räumlich zu ordnen. Architektur ist mehr als das gebaute Objekt, sie wird bestimmt durch Inhalt und Kontext unserer gebauten Umwelt: Politik, Wirtschaft, Gesetzgebung, Normen und viele andere Faktoren definieren architektonischen Handlungsspielraum.

Wenn sich unsere Welt also gerade durch Technologie, Klimawandel, Politik stark verändert, wie macht sich das in der Architektur bemerkbar? Wenn man mich fragt: zu wenig. Ja, es gibt wie überall Vorreiter, die sich den meiner Meinung nach drängenden Themen widmen – beispielsweise der Automatisierung von Zeichenarbeit, dem nachhaltigen Bauen, oder Datensammlung und -bewertung im Städtebau – doch die breite Masse der Architekt*innen steht teils staunend, teils uninteressiert am Rande des Uncanny Valley und wird derweil weiter abgedrängt.  Auf der eine Seite liegt das meiner Meinung nach daran, dass es nicht die richtigen Themen, Ideale und Schwerpunkte sind, die derzeit in der Architekturausbildung besprochen werden, auf der anderen Seite liegt es aber auch an den ökonomischen Strukturen von Architekturbüros.

Filmstills aus Keiichi Matsuda: Hyper-Reality, 2016
Eine Vision der urbanen Zukunft als Augmented (hyper)Reality.

Anstatt sich damit auseinander zu setzen, welche Konsequenzen die umfassende technologische Aufrüstung und Datafizierung unserer Umwelt birgt und wie sich der Möglichkeitsraum von Gestaltung als politischem und emanzipatorischem Instrument – nicht gegen, sondern vielmehr mit neuen, auf Daten, Algorithmen und Künstlicher Intelligenz basierenden Werkzeugen – kritisch verhandeln lässt, ist der Büroalltag oftmals bestimmt von wirtschaftlichen Zwängen.

Die Frage, die ich mir also stelle, ist: Wie kann (gestalterische) Innovation hier aussehen? Wir stehen vor Herausforderungen, bei denen es schon lange nicht mehr um Fragen des Oberflächendesigns gehen darf, sondern vielmehr darum gehen muss, sich mit dem systematischen Aufbau der Dinge auseinanderzusetzen. Architekten müssen sich und ihr Berufsfeld neu denken, um dem Diktat der äußeren Zwänge als Dienstleister ohne Entscheidungsmacht zu entkommen. Dieser Gedankengang impliziert aber auch und vor allem: Architekten müssen andere Fähigkeiten erlernen, sich umsehen und aktiver an den Diskursen teilnehmen, die heute wirklich unsere Umwelt gestalten, ansonsten machen sie sich selbst obsolet. 

Gestaltung verstehe ich grundsätzlich nicht als ausschließlich architektonische Frage der Raumbildung oder Formgebung, sondern vielmehr als gesellschaftliche Fragestellung, der ich meine Zeit widmen möchte. Anstatt Angst vor algorithmusbasierter Architektur zu haben – also davor, dass es niemanden mehr braucht der Pläne in ewigen Revisionsrunden überzeichnet – müssen wir anfangen uns mit den Themen der Zukunft zu beschäftigen. Wir müssen Architektur wieder mehr als Streitgespräch sehen. Architektur muss wieder heißen, eine Position zu haben.

Ich will mich Weiterentwickeln.
Ich will Fragen zu Themen stellen,
von denen ich heute noch nichts weiß.
Und Antworten von Menschen bekommen,
die ich üblicherweise nicht auf dem Radar habe.
Ich will Neues lernen. 
Ich will mehr Wissen.
Ich will agieren können, nicht reagieren müssen.

Innovation als Prozess

Versteht man Gestaltung nun als per se innovative Tätigkeit, weil inhärent Dinge neu gedacht und weiterentwickelt werden, schließt sich der Kreis. Innovation ist eben keine Revolution, die alles bisher Dagewesene hinwegfegt – wohl aber ein Prozess, der vielfältige Möglichkeiten für ein besseres Leben bietet. Innovation schafft Möglichkeiten, aber: wir müssen diese ergreifen und etwas daraus machen. Wir müssen zuhören und verstehen wollen, was in der Welt passiert, und entscheiden, was uns nützt.

Die Aufgabe von kritischer Gestaltung wäre es, Verhalten zu verändern, indem sie mit gestalterischen Mitteln den Aufschrei der 16-jährigen Klimaaktivistin Greta Thunberg übersetzt: 
‚Ich will, dass Ihr in Panik geratet!‘

aus: ARCH+ 234: Datatopia, Editorial S.2

Vielleicht ist dieser kurze Essay kein Text über Innovation im klassischen Sinne, sondern viel mehr eine Analyse mit daraus folgender Handlungsanweisung an mich selbst. Ein Versuch der Beantwortung der Frage, wie ich auf die Fragestellungen, die neue Entwicklungen aufwerfen – ob technologisch, disruptiv, sozial, global, innovativ, architektonisch, etc. – reagieren will. Aber ist es nicht genau das was wir in Zeiten der Orientierungslosigkeit brauchen? Ist nicht das radikalste und kritischste was eine junge Generation, die Mitgestalten will, tun kann, eine eigene „Agency“ zu entwickeln? Der Ausgangspunkt von Innovation. AH

angelika hinterbrandner

(* 1992) arbeitet derzeit als freie Redakteurin in Berlin. Studium und Praktika führten sie nach Rotterdam, Hong Kong, Basel und Graz, wo sie unter anderem bei Buchner Bründler Architekten, MVRDV, am Institut für Gebäudelehre und der AG Nachhaltiges Bauen an der TU Graz arbeitete. Neben sozialen und politischen Implikationen von Raum, interessiert sie sich für Technologie, Digitalisierung und aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Big Data und KI. Ihre Arbeit oszilliert—genau wie das weite Spektrum ihrer Interessen—zwischen Gestaltung, Kommunikation und analytischer Reflexion.

past, present, future
 

ARCH+ [2018— ]
kntxtr [2018— ]
CARTHA magazine [2019]
projekt bauhaus [2019]
× Stipendiatin des Programms zur Förderung
des Architektur- und Stadtdiskurses vergeben durch die Sto-Stiftung und den ARCH+ Förderverein [2018]

→ Buchner Bründler Architekten [2017—2018]
→ Freiberufliches Arbeiten [2016—2017]

Architektur, Gestaltung und Content Creation
● Tutorin #makeyourselfa(t)home
EASA Denmark [2017] 

× Stipendium des European Forum Alpbach [2017]
× DETAIL Stipendium [2016—2017]

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
AG Nachhaltiges Bauen TU Graz [2016—2017]
Wissenschaftliche Mitarbeiterin/Tutorin

Institut für Gebäudelehre TU Graz [2015—2016]
→ Technische Universität Graz
[MSc Architektur 2015— ]

× Joint Study Stipendium TU Graz und CUHK 
[MSc in Architecture & Urbanism 2015]
× BAUMEISTER Academy Stipendium

bei MVRDV Rotterdam [2014]
Wissenschaftliche Mitarbeiterin/Tutorin
Institut für Gebäudelehre TU Graz [2013—2015]
● Tutorin/Teamleitung Studenten Trainer Projekt 
TU Graz [2012—2015]
→ Technische Universität Graz
[BSc Architektur 2011—2015]

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